Industrie 4.0 – die Chancen und Risiken

Im Jahr 2011 reagierten die deutschen Bundesregierung und die Industrie mit einem konkreten Projekt auf die wachsende Informatisierung der Fertigungstechnik. Diese soll im Rahmen der Industrie 4.0 gemeinsam vorangetrieben werden. Ziel der Partner ist es, die Produktion von Gütern mit hochmodernen Dienstleistungen zu verknüpfen.

In Zukunft soll es möglich sein, komplette Wertschöfpungsnetzwerke mittels Monitoring- und Entscheidungsprozessen in Echtzeit zu steuern und gleichzeitig zu optimieren.

Bisher als reines Forschungsprojekt
Mehr als 120 Millionen Euro hat der Bund schon in das Projekt Industrie 4.0 investiert. Im Vorfeld der Entstehung gab es zudem zahlreiche Expertenkreise, die mögliche Maßnahmen diskutierten und die Zukunftsfähigkeit bestimmter Innovationen thematisierten. Geleitet wird das Projekt vom Bundesforschungsministerium (BMBF).
Bisher werden vor allem Lösungsansätze und Werkzeuge zur Wirtschaftlichkeitsbetrachtung für den Mittelstand gefördert. Diese sollen Adaptionsprozesse erleichtern und den Unternehmen die Möglichkeit bieten, Investitionen abzusichern. Auch Umsetzungsempfehlungen und Einführungsstrategien für den Umbau werden entwickelt. Diese sollen handfest als Checklisten, Musterverfahren oder Handreichungen dargestellt werden.

Die Entwicklung eines gemeinsamen Standards
Damit Industrie 4.0 langfristig erfolgreich sein kann, müssen alle Beteiligten eng zusammenarbeiten und nach Möglichkeit einen gemeinsamen Standard schaffen. Zum Zweck des gemeinsamen Datenaustausches wurde daher eine Verbändeplattform zwischen BITKOM, ZVEI und VDMA gegründet. Innerhalb dieser Plattform wird aktuell an einer „Referenzarchitektur 4.0“ gearbeitet. Sie soll laut Aussagen der Bundesregierung zeitnah fertiggestellt werden.
Allerdings reichen technische Standards alleine nicht aus, um Industrie 4.0 voranzutreiben. Ein Großteil des Wertschöpfungsprozesses im Bereich Maschinen- und Anlagebau sowie der Automatisierung besteht aus der Softwareentwicklung. Die Komplexität und damit auch die Kosten der IT-Systeme nehmen stetig zu. Für die Industrie 4.0 sollen daher zuverlässige, leistungsfähige und ökonomisch tragfähige IT-Lösungen entwickelt werden. Das BMBF hat Ansätze hierzu bereits gefördert und hofft darauf, dass diese in naher Zukunft in der Praxis zum Einsatz kommen können.

Datensicherheit und gemeinsames Vorgehen
Bereits im Februar 2015 kam erste, deutliche Kritik an der Industrie 4.0 auf. Reinhard Clemens von T-Systems erklärte damals, dass die Ziele des Projekts bereits verfehlt seien. „Außer Gremienarbeit und Maßnahmenempfehlungen gibt es bisher keine konkreten Ergebnisse und kein konzentriertes Vorgehen deutscher Unternehmen in Sachen Industrie 4.0.“ Zudem sei es versäumt worden, das Vorgehen auf europäischer Bühne zu planen. So entstehe ein großer Nachteil gegenüber den USA, wo sich fast alle großen Firmen zusammengeschlossen hätten.
Kritik an Industrie 4.0 kommt aber auch aus dem Mittelstand. Die Unternehmen befürchten, dass die Ausweitung und Vereinheitlichung der IT-Systeme dazu führe, dass sich unerwünschte Dritte allzu leicht in Systeme einklinken könnten. Geschäftsgeheimnisse könnten so verloren gehen. Die Bundesregierung nehme die Befürchtungen laut eigener Aussagen sehr ernst. Ein umfassendes Sicherheitsprojekt sei bereits in Planung und solle dafür Sorge tragen, dass Industrie 4.0 komplett sicher sei.

Fazit
Die Industrie 4.0 ist ein wichtiges und vermutlich einmaliges Projekt zwischen Bundesregierung und Industrie. Die Erfüllung der Ziele ist sowohl für mittelständische als auch für große Unternehmen von zentraler Bedeutung für die Zukunft. Allerdings gibt es berechtigte Kritik an der Umsetzung des Projekts. Bisher konnten innerhalb von mehreren Jahren keine handfesten Ergebnisse erzielt werden.

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