Wer unter Linux Mint eine lokale PHP-Entwicklungsumgebung aufbauen möchte, greift häufig zu XAMPP. Das Paket bündelt Apache-Webserver, MySQL-Datenbank (MariaDB), PHP und Perl in einer einzigen Installation – ohne dass man die einzelnen Komponenten manuell aufeinander abstimmen muss. Unter Linux Mint funktioniert XAMPP grundsätzlich gut, aber die Installation läuft etwas anders ab als unter Windows und birgt ein paar typische Stolperstellen.
Dieser Artikel zeigt, wie sich XAMPP unter Linux Mint korrekt installieren, starten und für die tägliche Arbeit einrichten lässt – einschließlich häufiger Fehler und deren Ursachen.

Voraussetzungen
Vor der Installation sollten folgende Punkte geprüft sein:
- Linux Mint Version: XAMPP läuft auf aktuellen 64-Bit-Versionen von Linux Mint (z. B. 21.x oder 22.x). 32-Bit-Systeme werden von neueren XAMPP-Versionen nicht mehr unterstützt.
- Systemarchitektur: Mit
uname -mim Terminal prüfen – die Ausgabex86_64bedeutet 64-Bit. - Freie Ports: Apache benötigt Port 80, MySQL Port 3306. Sind diese bereits belegt (z. B. durch einen vorinstallierten Apache oder MySQL), kommt es zu Konflikten. Mit
sudo ss -tlnp | grep ':80\|:3306'lässt sich das prüfen. - Sudo-Rechte: Die Installation erfordert Root-Zugriff.
XAMPP herunterladen
Das Installationsprogramm wird direkt von der offiziellen Apache Friends-Website bezogen: apachefriends.org. Dort steht unter der Rubrik „Linux“ ein .run-Installationsskript bereit. Die aktuelle XAMPP-Version enthält PHP in mehreren verfügbaren Varianten – die passende PHP-Version richtet sich nach dem geplanten Einsatzzweck (z. B. WordPress-Entwicklung erfordert mindestens PHP 7.4, aktuell empfohlen ab PHP 8.1).
Die Datei wird typischerweise in den Ordner ~/Downloads gespeichert. Den genauen Dateinamen notieren – er enthält die Versionsnummer und sieht in etwa so aus: xampp-linux-x64-8.x.x-installer.run.
Installation Schritt für Schritt
1. Ausführungsrechte vergeben
Das heruntergeladene Installationsskript ist standardmäßig nicht ausführbar. Im Terminal folgenden Befehl ausführen (Dateinamen anpassen):
chmod +x ~/Downloads/xampp-linux-x64-8.x.x-installer.run
2. Installer starten
Die Installation muss mit Root-Rechten gestartet werden:
sudo ~/Downloads/xampp-linux-x64-8.x.x-installer.run
Daraufhin öffnet sich ein grafischer Installationsassistent. Wer eine reine Terminalinstallation bevorzugt (z. B. auf einem Server ohne Desktop), kann mit dem Parameter --mode text arbeiten.
3. Installation durchführen
Im Assistenten lässt sich wählen, welche Komponenten installiert werden sollen. Für eine lokale Entwicklungsumgebung reicht die Standardauswahl: XAMPP Developer Files, phpMyAdmin, Webalizer und Fake Sendmail sind optional. Nach der Bestätigung installiert der Assistent alle Dateien nach /opt/lampp – das ist das Standardverzeichnis, das nicht geändert werden sollte, da viele interne Pfade darauf ausgelegt sind.
Warum installiert XAMPP unter Linux in den Ordner /opt/lampp statt /opt/xampp?
Der Name „LAMPP“ steht für Linux, Apache, MySQL, PHP und Perl – die Linux-Variante des XAMPP-Stacks. Das Verzeichnis /opt/lampp ist historisch gewachsen und wird von allen XAMPP-Versionen für Linux so verwendet. Alle Konfigurations- und Programmdateien liegen dort zentral, was die Deinstallation vereinfacht.
4. Installation abschließen
Am Ende fragt der Assistent, ob XAMPP direkt gestartet werden soll. Wer zunächst die Konfiguration anpassen möchte, überspringt diesen Schritt und startet später manuell.
XAMPP starten und stoppen
XAMPP wird über das mitgelieferte Steuerskript lampp verwaltet. Alle Befehle erfordern Root-Rechte:
- Starten:
sudo /opt/lampp/lampp start - Stoppen:
sudo /opt/lampp/lampp stop - Neustart:
sudo /opt/lampp/lampp restart - Status prüfen:
sudo /opt/lampp/lampp status
Nach dem Start sollte im Browser die Adresse http://localhost die XAMPP-Willkommensseite anzeigen. Erscheint stattdessen eine Fehlermeldung, ist Apache wahrscheinlich nicht gestartet – der status-Befehl gibt Aufschluss.
Projektdateien ablegen
Das Verzeichnis für Webprojekte liegt unter /opt/lampp/htdocs. Dateien, die dort abgelegt werden, sind über http://localhost/ordnername erreichbar. Da /opt/lampp Root gehört, sind Schreibrechte für normale Benutzer zunächst nicht vorhanden.
Es gibt zwei praktikable Wege damit umzugehen:
- Rechte anpassen: Mit
sudo chmod -R 777 /opt/lampp/htdocserhält jeder Benutzer vollen Zugriff. Das ist für eine lokale Entwicklungsumgebung ohne Internetzugang akzeptabel, aber nicht für produktive Server geeignet. - Eigenen Ordner verlinken: Im Homeverzeichnis einen Projektordner anlegen und diesen per symbolischen Link in
htdocseinbinden:sudo ln -s ~/projekte /opt/lampp/htdocs/projekte. Das hat den Vorteil, dass die Dateien im eigenen Homeverzeichnis verbleiben.

phpMyAdmin aufrufen
Die Datenbankverwaltung erfolgt über phpMyAdmin, das nach dem Start von XAMPP unter http://localhost/phpmyadmin erreichbar ist. Standardmäßig ist der MySQL-Benutzer root ohne Passwort konfiguriert – das ist für eine lokale Entwicklungsumgebung zunächst in Ordnung, sollte aber geändert werden, sobald XAMPP in einem Netzwerk erreichbar ist.
Ein Root-Passwort lässt sich in phpMyAdmin unter Benutzerkonten → root → Passwort ändern setzen oder per Terminal:
sudo /opt/lampp/bin/mysqladmin -u root password 'neues_passwort'
Nach dem Setzen eines Passworts muss die Datei /opt/lampp/phpmyadmin/config.inc.php angepasst werden: Der Wert bei $cfg['Servers'][$i]['password'] muss das neue Passwort enthalten, damit phpMyAdmin sich weiterhin einloggen kann.
Typische Probleme und Lösungen
Apache startet nicht – Port 80 belegt
Linux Mint bringt in manchen Konfigurationen einen vorinstallierten Apache-Webserver mit. Dieser belegt Port 80 und verhindert, dass XAMPP seinen eigenen Apache starten kann. Lösung: Den Systemdienst vorher stoppen:
sudo systemctl stop apache2
sudo systemctl disable apache2
Wer beide Installationen parallel betreiben möchte, kann in der XAMPP-Konfiguration (/opt/lampp/etc/httpd.conf) einen anderen Port eintragen, z. B. 8080.
MySQL startet nicht – Port 3306 belegt
Analog gilt das für MySQL/MariaDB. Einen laufenden MariaDB-Dienst stoppt man mit:
sudo systemctl stop mariadb
sudo systemctl disable mariadb
XAMPP startet nicht nach einem Neustart
XAMPP richtet sich unter Linux nicht automatisch als Systemdienst ein. Es gibt zwei Möglichkeiten für den automatischen Start:
- Autostart über /etc/rc.local: Den Befehl
/opt/lampp/lampp startin die Datei/etc/rc.localvor der Zeileexit 0eintragen. Unter neueren Mint-Versionen muss die Datei ggf. erst angelegt und ausführbar gemacht werden. - Systemd-Unit erstellen: Eine eigene Systemd-Servicedatei unter
/etc/systemd/system/xampp.serviceanlegen. Das ist der sauberere Weg für aktuelle Systeme.
Fehlermeldung „Access forbidden“ im Browser
Diese Meldung erscheint, wenn Apache zwar läuft, aber der Zugriff auf das angeforderte Verzeichnis gesperrt ist. Ursache ist häufig eine fehlende Options Indexes-Direktive oder eine zu restriktive Require-Einstellung in der Apache-Konfiguration. Die Hauptkonfiguration liegt unter /opt/lampp/etc/httpd.conf, projektspezifische Einstellungen können in einer .htaccess-Datei im jeweiligen Verzeichnis vorgenommen werden.
Wie kann ich unter Linux Mint mehrere PHP-Versionen mit XAMPP verwenden?
XAMPP selbst liefert nur eine PHP-Version pro Installation mit. Wer mehrere PHP-Versionen parallel benötigt, muss entweder mehrere XAMPP-Instanzen auf verschiedenen Ports betreiben oder auf Alternativen wie Laravel Herd für Linux (noch in Entwicklung), Docker-basierte Umgebungen oder die direkte Systeminstallation mehrerer PHP-Versionen über das ondrej/php-PPA ausweichen.
Sicherheitshinweise für die lokale Nutzung
XAMPP ist für die lokale Entwicklung gedacht und ist in der Standardkonfiguration ausdrücklich nicht für den produktiven Einsatz im Internet ausgelegt. Konkret bedeutet das:
- Der MySQL-Root-Benutzer hat kein Passwort.
- phpMyAdmin ist ohne Authentifizierung erreichbar.
- Das XAMPP-Sicherheitsmenü unter
http://localhost/securitylistet offene Sicherheitsprobleme auf und bietet eine einfache Möglichkeit, Passwörter zu setzen.
Wer XAMPP nur auf dem eigenen Rechner nutzt und keine Netzwerkfreigaben aktiviert, geht kein ernsthaftes Sicherheitsrisiko ein. Sobald andere Geräte im Netzwerk Zugriff haben könnten, sollten mindestens alle Passwörter gesetzt und phpMyAdmin abgesichert sein.
Deinstallation
XAMPP lässt sich sauber über den mitgelieferten Uninstaller entfernen:
sudo /opt/lampp/uninstall
Alternativ kann das gesamte Verzeichnis /opt/lampp gelöscht werden – da XAMPP keine Dateien außerhalb dieses Ordners anlegt (außer ggf. Desktop-Verknüpfungen), hinterlässt das keine Reste im System.

XAMPP oder native Installation – wann ist was sinnvoller?
XAMPP ist dann die bessere Wahl, wenn eine schnelle, vorkonfigurierte Umgebung gefragt ist und kein Bedarf an systemweiter Integration besteht. Die native Installation von Apache, PHP und MySQL direkt über die Paketverwaltung von Linux Mint (apt) bietet dagegen mehr Kontrolle, lässt sich besser in Systemdienste integrieren und ermöglicht einfacher den parallelen Betrieb mehrerer PHP-Versionen.
Für WordPress-Entwicklung, schnelle Tests oder Einsteiger, die keine Linux-Dienste konfigurieren möchten, ist XAMPP eine pragmatische Lösung. Wer regelmäßig mit mehreren Projekten, verschiedenen PHP-Versionen oder Docker arbeitet, wird mittelfristig auf flexiblere Alternativen umsteigen.